Trackspatz auf Weltreise

Reisebericht Baltikum

Reisebericht Baltikum

Auf dem Weg zum Nordkap, dem nördlichsten Europäischen Punkt und Hammerfest durchqueren wir das Baltikum, also Litauen, Lettland und Estland. 11 Tage dauert diese Tour, vom 20. bis zum 30. Juli 2020.

Eigentlich wollen wir möglichst schnell zum Nordkap hoch, solange es eben noch so einigermaßen sommerlich warm ist. Aber da wir noch nie im Baltikum waren, bleibt man doch hier und da mal länger hängen.

1. Litauen
2. Kurische Nehrung
3. Lettland
4. Riga
5. Estland
6. Tallin
7. Fähre nach Helsinki
8. Corona
9. Daten und Fakten


Um ins Baltikum zu kommen fahren wir durch Polen, ist ja auch nahe liegend. Die Tour durch Polen gestaltet sich etwas umfangreicher. Dafür gibt es zwei Gründe: zum einen wir wollen Polen ein bisschen näher kennen lernen und nach neun Jahren auch den Ort der Vorfahren von Julie wieder einmal besuchen, und zum anderen ist aufgrund von Corona die Grenze nach Finnland für Reisende noch geschlossen. Erst Mitte Juli soll es wieder möglich sein, nach Finnland einzureisen. Reiseberichte über Polen findet man >hier<

Litauen

Litauen ist flach, sehr flach. Es gibt keine Berge. Dafür gibt es Lidl. Noch. Angeblich macht Lidl im Baltikum kein gutes Geschäft und hat in den beiden Nachbarländern Lettland und Estland bereits alle Filialen aufgegeben.

Wir wollen die Grenze nach Litauen von Polen aus kommend nördlich der Stadt Suwałki überqueren. In Suwałki verplempern wir unsere restlichen Złoty in einem kleinen Supermarkt und sind aufgrund Corona gespannt, wie sich die Grenzkontrollen gestalten werden. Noch gibt es Einschränkungen für Reisende aus Deutschland. Doch unversehens befinden wir uns in Litauen, als hätte es gar keine Grenze gegeben und fahren bei schönstem Wetter nach Kaunas, direkt zur ersten Sehenswürdigkeit der Stadt: zum Lidl...
Kaunas ist in etwa so groß, wie Karlsruhe. Wir fahren einmal durch die Innenstadt und direkt weiter gen Westen, dem Fluss Memel entlang.
Memel... war da nicht was? Richtig, bis hierher reichte einst das Deutsche Reich. "So weit?", fragen wir uns, "war ja mal ganz schön groß, dieses Deutsche Reich..."

Wir übernachten an der Memel. Am Südufer. Mit Blick auf ein hübsches Kirchlein. Eine Sim-Karte fürs Internet haben wir uns nicht besorgt. Unsere polnische Sim-Karte mit 10 GByte Volumen funktioniert auch hier.

Unsere erste Übernachtung in Litauen - an der Memel - westlich der Stadt Kaunas
Unsere erste Übernachtung in Litauen - an der Memel - westlich der Stadt Kaunas.

Da drüben ist Russland - die russische Exklave mit Kaliningrad (Königsberg). Seht ihr die russische Flagge?
Da drüben ist Russland - die russische Exklave mit Kaliningrad (Königsberg). Seht ihr die russische Flagge?
Das ist die Stadt Sowetsk, die einst den Namen Tilsit trug.

Viele Kilometer, eigentlich bis fast an die Ostseeküste, folgen wir dem Fluss Memel, welcher meist auch die Grenze zu Russland darstellt. Am Ufer des Kurischen Haffs finden wir ein nettes Plätzchen zum Übernachten, und fahren am folgenden Tag auf ebendiese, auf die...

Kurische Nehrung

Die Kurische Nehrung kennt man, jeder hat schon mal etwas davon gehört. Das Highlight im Baltikum. Da müssen wir hin, gigantische Sanddünen sollen da auf uns warten, klein Sahara. Wir sind gespannt.
Die Kurische Nehrung erreicht man nur über eine Fähre. Das kostet 12,70 Euro. Wir bezahlen. Auf der Nehrung prallt uns erst einmal ein großes Schild ins Gesichtsfeld: auf der ganzen Nehrung ist Camping verboten. Ganz am Ende der Nehrung gibt es einen Campingplatz. Nun… das hatten wir eigentlich nicht vor. Kaum aufs Gas getreten werden wir durch ein Kassenhäuschen ausgebremst: Der Besuch der Kurischen Nehrung kostet 30 Euro. Wir bezahlen. Bei dem Preis muss da alles ja wirklich toll sein. Die Spannung steigt.

Im Großen und Ganzen gibt es nur eine Straße. Sie reicht bis an die russische Grenze der Kurischen Nehrung. Wir folgen dieser Straße gen Süden. Was wir sehen, sind Bäume. Links der Straße und rechts der Straße. Wasser bekommen wir eigentlich nie zu Gesicht. Das kann doch wohl nicht sein. Laut Straßenkarte und Navi befinden sich die Ufer jeweils nur ein paar Hundert Meter links und rechts der Straße entfernt. Also biegen wir hier und da in einen wilden Rumpelweg ein, der jeweils auch zum Wasser führt. Doch diese Wege sind nur Sackgassen und enden am Grünzeug der Ufer.

So geht es weiter, bis zur Ortschaft Nida an der russischen Grenze. Hier befindet sich auch der Campingplatz. War’s das für die 30 Euros? Egal, dann schauen wir uns doch mal den Grenzübergang an. Dort soll eine Holzplattform stehen, auf welcher man nach Russland rüber schauen kann. Doch ein paar Kilometer davor ist die Straße gesperrt. Wir vermuten: aufgrund von Corona ist der Grenzübergang geschlossen und somit auch gleich die ganze Straße. Das war’s dann also mit der tollen Kurischen Nehrung.

Immerhin, in Nida befindet sich eine Residenz mit Souvenir-Kiosk von Thomas Mann. Nein, nicht der Kiosk ist von Thomas Mann, sondern die Residenz. Am Kiosk kauft sich Julie einen Kühlschrankmagneten. Der Verkäufer beklagt die Abwesenheit Deutscher Touristen in diesem Jahr. Dazu sagt Julie dann nichts.

Kurische Nehrung - hier soll es die höchsten Dünen Europas geben.
Kurische Nehrung - hier soll es die höchsten Dünen Europas geben.

Wir geben nicht auf. Nach einer Nacht auf einem Wander-Parkplatz im Wald fahren wir wieder zurück nach Norden. Und tatsächlich… wir finden einen Weg, der an ein paar Dünen entlang führt. Wir besteigen diese.

Und da wird es doch noch ein bisschen schön. Hohe weiße Sanddünen, wie an der Deutschen Ostsee, nur eben ein bisschen höher. Nur, von einer Nehrung, wie wir das zum Beispiel von Griechenland kennen, spürt man hier nichts. Man sieht halt nur Strand.

Kuriose Schilder auf der Kurischen Nehrung. Frauen dürfen zu den Männern aber nicht umgekehrt.
Kuriose Schilder auf der Kurischen Nehrung. Frauen dürfen zu den Männern aber nicht umgekehrt.

Allerdings gibt es hier doch eine Eigenheit. Wir stehen vor einem eigenartigen Schild und ringen um Erklärungen. Weiblein rechts ab und Pärchen links? Wie das? Getrennte Badestrände für die verschiedenen Geschlechter? Aber wo bliebe da das Schild für die Männer?
Wir schauen später im Internet nach und werden fündig: die Strände sind in Litauen tatsächlich unterteilt. Frauen bekommen ihren eigenen Strandabschnitt, da können sie sein und sich verhalten, wie sie wollen: dick, dünn, mit oder ohne Kleidung. Für Männer tabu! Die Männer müssen zur Gemischtwaren-Abteilung. Da, wo sich die Männer aufhalten, dürfen auch Frauen und Kinder hin, nur nicht umgekehrt. Wir staunen…
…und fahren weiter in Richtung Norden.

Und plötzlich und unbemerkt sind wir in…

Lettland

Wir erreichen die Küstenstadt Liepāja. Libau auf Deutsch. Die drittgrößte Stadt Lettlands. Eine kriegsgebeutelte Stadt mit viel Kultur und Geschichte. Eine schöne und interessante Stadt. Uralte Bauten entlang rumpeliger Pflastersteinstraßen, und doch nobel. In manchen Stadtteilen fühlt man sich um 100 Jahre zurückversetzt. Eine Augen- und Objektivweide. Wir können uns gar nicht statt-gucken.

Liepaja - eine wunderschöne historsche Stadt mit viel Geschichte
Liepaja - eine wunderschöne historsche Stadt mit viel Geschichte.

Unter anderem besuchen wir ein altes russisches Kriegs-Gefangenenlager und eine orthodoxe Kirche. Zwei Gegensätze in fast derselben Straße. Im Gefangenenlager befinden sich Kanonen und Bilder vom Krieg, in der Kirche wird gerade gebetet. Die Kirche ist ebenso eindrucksvoll, wie die ganze Altstadt, ein richtiger Hingucker!

Im Hof des alten russischen Gefangenenlagers von Karosta - das einzige für Touristen geöffnete Militärgefängnis in Europa - wurde bis 1997 genutzt
Im Hof des alten russischen Gefangenenlagers von Karosta - das einzige für Touristen geöffnete Militärgefängnis in Europa - wurde bis 1997 genutzt.

Russisch-orthodoxe Marinekathedrale des St. Nikolaus von Liepāja
Russisch-orthodoxe Marienkathedrale des St. Nikolaus von Liepāja.

Wie bereits erwähnt, gibt es in Lettland keine Lidl-Filialen mehr, obwohl noch etliche in unserem Garmin-Navi eingetragen sind. Wir sind schockiert und überlegen, ob wir die Reise nicht abbrechen sollen. Trotz allen Widrigkeiten gelingt es uns, uns in die Lebensmittelkette Maxima bzw. Maxima XXX einzuarbeiten. Das ist nicht einfach, das Angebot unterscheidet sich merklich.
Wir wechseln nun die Seiten: vom Osten in den Westen, von der Ostseeküste zur russischen Grenze, was zwei Übernachtungen dauert. Doch dazwischen liegt...

Riga

Die Hauptstadt Lettlands. Groß und modern. Mit eindrucksvollen Bauten. Einziges Manko: kein Lidl. Mitten im Zentrum ein aberwitzig großer Obst- und Gemüsemarkt, was einen Lidl trotzdem nicht ersetzen kann. In ebendiesem Markt kann ich, Julie, einem Karton Kirschen nicht widerstehen. Ich hätte ein Foto davon machen sollen. Kirschen, Himbeeren, Blaubeeren… riesig. Irgendwie ist alles Obst größer und dicker als in Deutschland. Könnte fast schon einen Lidl ersetzen. Ich kaufe also einen Karton. Dieser wird von der Marktfrau derart vollgefüllt, dass er zusätzlich in eine Tüte muss, sonst hätte ich eine Kirsch-Spur bis zum Fahrzeug hinterlassen. Kann sein, dass die Marktfrau von meinem ungläubigen Blick betroffener war, als ich von der Größe der Kirschen.

Gebäude der Lettischen Akademie der Wissenschaften
Gebäude der Lettischen Akademie der Wissenschaften.

Ein Stand des riesigen Obst- und Gemüsemarktes in Riga
Ein Stand des riesigen Obst- und Gemüsemarktes in Riga.

Am östlichen Stadtrand finden wir ein schönes Plätzchen an einem wunderschönen romantischen See, zum Übernachten. Das finden kurze Zeit später auch ein paar junge Leute in einem sehr tief gelegten BMW mit eingebautem Giga-Ghettoblaster. Sie stellen ihr Fahrzeug direkt neben unseres und öffnen die Türen. Der Schalldruck weht unsere Haare nach hinten. Wir hoffen, dass sie bald verschwinden werden. Tun sie nicht. Sie machen sich mit einer Wodkaflache am Picknicktisch neben uns breit und grölen. Breit ist bereits auch einer der Mitstreiter… sehr breit. Und ausfallend.

Übernachtungsplatz an einem wunderschönen See bei Riga.
Übernachtungsplatz an einem wunderschönen See bei Riga.

Nach einer Weile fragt Julie vorsichtig, wie lange sie denn bleiben würden und erwähne, dass wir uns in unserem Fahrzeug nicht mehr unterhalten könnten. Wir seien ja nur Gäste in diesem Land und würden ggf. weiterfahren. Schnell steht der Fahrer des Fahrzeugs auf und dreht das Radio leiser. Ein anderer spricht fließend englisch und entschuldigt sich. Nein, wir sollen hierbleiben, wir seien doch die Gäste und wir sollen doch unsere Reise genießen. Sie packen ihre Sachen zusammen und verlassen das Gelände. Wir sind sehr erstaunt. Solch einem Verhalten begegnet man in Deutschland nicht.

Am nächsten Tag fahren wir weiter ostwärts, quer durch Lettland in Richtung der „richtigen“ russische Grenze und befinden uns plötzlich in...

Estland

Kein Lidl! Im ganzen Land nicht. Sollte uns das Heimweh packen? Nein, wir schaffen das…!

Wir verirren uns im Wald. Nicht ganz… wir sind auf Spurensuche nach sogenannten Wald-Megafonen. Wald-Megafone? Erstaunt schauen wir uns beide an: Wald-Megafone? Was ist das denn? Also hin. Und tatsächlich. Irgendwo in einem ordinären Wald liegen sie: riesige Tröten, aus Holz. Allerdings sollen diese Megafon-Trichter nicht zum Tröten sein, sondern zum Hören. Die Dimensionen finden wir allerdings nicht ganz passend für unsere Ohren. Jedenfalls soll man damit die Geräusche des Waldes besser hören können: Vögel und anderes Gezirps. Wir hören nichts. Doch für lustige Fotoaufnahmen sind diese Tröten allemal gut. Wir übernachten in diesem Wald.

Eines der Waldmegafone - ein bisschen zu groß für unserer Ohren - gehört haben wir nichts...
Eines der Waldmegafone - ein bisschen zu groß für unserer Ohren - gehört haben wir nichts...

Eine andere Sehenswürdigkeit sind die Höhlen von Piusa. Im Süd-Osten des Landes, nahe der russischen Grenze. Menschengemachte Höhlen aus Sand – oder genauer: Sand aus Quarzstein, das sich hervorragend für die Herstellung von Glas eignet. Von 1922 bis 1970 wurde hier Sand abgebaut. Nach der Schließung sollte das alles weggesprengt werden, was aber nicht so recht gelang. So haben sich hier seitdem Unmengen von Fledermäusen eingenistet. Mit Kolonien von mehreren Tausend Tieren soll hier die größte Überwinterung dieser Viecher in Osteuropa stattfinden.

Quarz-Sandhöhlen bei Piusa - alles handgemacht und einsturzgefährded - ein Paradies für Fledermäuse.
Quarz-Sandhöhlen bei Piusa - alles handgemacht und einsturzgefährded - ein Paradies für Fledermäuse.

5 Euro kostet eine Führung, ohne Führung lassen sie niemanden rein. Mit einer Führung kann man dann diese Höhlen besichtigen, nicht aber die Fledermäuse. Diese sind unter Schutz gestellt. Angeblich verlassen sie den Ort, wenn sie gestört werden. Zausel muss nur 4 Euro löhnen, aufgrund seiner Sehbehinderung. Julie darf so rein, als Begleitperson eines Behinderten. Julie muss ja schließlich aufpassen, dass der Zausel nix kaputt macht.
Die Besuchergruppe besteht offenbar nur aus Finnen, außer uns beiden. So wird in aller Selbstverständlichkeit die Führung auf Englisch abgehalten. Nur wegen uns. Die Dame meinte lapidar „Die Finnen werden das schon verstehen…“ Wir sind baff!
Lange Zeit wurde der Quarzsand auch im Tagebau abgetragen. Oberhalb der Höhlen. Dieser Fleck wird im Scherz „Little Egypt“ genannt. Ja, so sieht es auch ein wenig danach aus.

Klein Sahara - eine Sandwüste von Piusa - darunter befinden sich die Quarz-Sandhölen
Klein Sahara - eine Sandwüste von Piusa - darunter befinden sich die Quarz-Sandhölen.

Wir fahren an der russischen Grenze entlang, im Abstand von ein paar Hundert Metern. Viele Schilder und mehrspurige Zufahrtsstraßen und große betonierte Flächen deuten auf einen wichtigen Grenzübergang hin. Ist es auch: es ist ja schließlich die Hauptstrecke von West-Europa nach St. Petersburg. Ursprünglich wollten wir da ja auch hin. Doch alles sieht wie ausgestorben aus. Die Grenze ist geschlossen. Corona…!

Fahren wir eben weiter. Am Lake Peipus entlang zur zweitgrößten Stadt Estlands: Tartu. Zum Einkaufen. Nein, nicht zum Lidl. Zu einem Coop. Es gibt hier keinen Lidl. Haben wir das schon erwähnt?

Unser Reiseführer empfiehlt, dass wir uns unbedingt die schnuckeligen Dörfer der „Altgläubigen“ anschauen sollen. Diese Dörfer liegen an den Ufern des Lake Peipus. Die Altgläubigen sind religiöse Flüchtlinge, die sich den Änderungen der russisch orthodoxen Kirche widersetzten, sich hier niederließen und trotzig ihrem Glauben frönen. Man fühlt sich dort um 100 Jahre zurück versetzt. Wir haben das Gefühl, es gibt hier mehr Kirchen als Einwohner. Alles ist auffallend aufgeräumt. Offensichtlich achtet jeder auf den anderen, ob er sich auch wirklich korrekt benimmt.

Was für eine schöne Kirche der Baptisten von Mustvee...
Was für eine schöne Kirche der Baptisten von Mustvee...

Hier ist die Zeit stehen geblieben... ein Dorf der Altgläubigen im Osten Estlands.
Hier ist die Zeit stehen geblieben... ein Dorf der Altgläubigen im Osten Estlands.

Zwei Tage später erreichen wir bei schönstem Sommerwetter die Hauptstadt Estands...

Tallin

Hochsommer, strahlend blauer Himmel. Wir fahren x-mal kreuz und quer durch die schöne Stadt. Die Stadt ist so schön, dass wir ungewollt aus Versehen auf dem Domberg landen. Dort steht die wunderschöne Alexander-Newski Kathedrale, die wir mehrfach umfahren, umlaufen und ablichten. Direkt gegenüber steht ein Schloss, das Parlament von Estland. Schick. Von hier oben bietet sich ein schöner Blick auf die Altstadtmauern.

Die Alexander-Newski Kathedrale am Parlament in Tallin.
Die Alexander-Newski Kathedrale am Parlament in Tallin.

Die alte Stadtmauer am Domberg. Die Mauer ist noch auf mehrere Kilometer erhalten.
Die alte Stadtmauer am Domberg. Die Mauer ist noch auf mehrere Kilometer erhalten.

Aber wir wollen zum Rathausplatz in der Altstadt. Das Highlight von Tallin überhaupt. Unser Navi kennt das und will uns netterweise hinführen. Doch wir biegen aus Versehen falsch ab und landen wieder auf dem Domberg. Ok, versuchen wir’s eben nochmal. Ziemlich verzwickte Verkehrsführung. Diesmal biegen wir nicht falsch ab, und landen… auf dem Domberg. Was? Das kann doch nicht so schwer sein…? So schnell geben wir jedenfalls nicht auf. Nun aber gut aufgepasst. Dritter Versuch. Jetzt haben wir’s. Da vorne müssen wir rum… und landen auf dem Domberg… Donnerwetter… gibt’s davon mehrere? Diese Aktion hat bei diesem Verkehr eine geschlagene Stunde gedauert.
Wären wir doch zu Fuß in die Altstadt gelaufen. Aber eben das wollten wir vermeiden. Zausel kann mit seinen visuellen Einschränkungen nach seinem Schlaganfall nicht mehr so einfach durch eine Stadt wetzen. Später erfahren wir, dass die öffentlichen Verkehrsmittel in Tallin kostenlos sind.

Kostenlos in Tallin ist auch das überall vorhandene WLan. Kostenloses Internet ist ein Grundrecht in Estland. An jeder Bushaltestelle, Restaurant, Museum, eigentlich fast überall. Tallin soll das dichteste WLan-Netz Europas aufgebaut haben. In Tallin ist übrigens das Programm Skype programmiert worden. Heute gehört diese Applikation einer unscheinbaren Firma namens Microsoft und heißt nun Microsoft Teams.

Leider können wir Tallin nicht so recht auskosten, denn unsere Fähre wartet. Wer weiß, vielleicht kommen wir wieder...

Fähre nach Helsinki

Aufgrund Corona hoffen wir, dass die Fahrpläne stimmen, wir buchten bereits vor ein paar Tagen. Das war problemlos und kostete für unser Fahrzeug knapp 100 Euro. Die Überfahrt wird 2-¼ Stunden dauern.
Die Schilder auf dem Hafengelände sind unterirdisch, wie eben auf allen Häfen. Man weiß nicht, wo man hinfahren soll und wir landen auch prompt auf der Spur nach Helsinki. Prima, da wollen wir ja auch hin. Doch es ist die falsche Spur. Wir müssen auf eine Spur mit Schildern, die alle Destinationen aufzeigen, nur nicht Helsinki. Wenn man also nach Helsinki will, darf man sich nicht in die Spur nach Helsinki einordnen. Seltsame Logik. Aber es klappt. Die Fähre ist zu etwa zu einem Viertel belegt.
Beim einchecken wurde uns bewusst, dass wir uns dem HiTec-Land Finnland nähern. Wir wurden weder nach der Buchung noch nach sonstigen Papieren gefragt. Wir fuhren einfach durch. Abgewickelt wird das alles per Scanner-Kameras. Das Fahrzeugkennzeichen wird automatisch unseren Buchungsdaten aus dem Internet zugeordnet. Weitere Kameras stellen fest, ob wir auch Höhe und Länge wahrheitsgemäß angegeben haben.

Gigantischer Ausblick von unserem Cafétisch hianus aufs Meer...
Gigantischer Ausblick von unserem Cafétisch hinaus aufs Meer...

Es besteht generelle Maskenpflicht. Der Bug ist über zwei Stockwerke mit einer gigantischen Frontscheibe ausgestattet und bietet uns einen großartigen Blick aufs Meer voraus.
Und wieder: kein Lidl auf der Fähre, auf dem ganzen Schiff nicht! So ziehen wir uns von der Kaffeebar für 10 Euro einen Cappuccino mit Muffin rein. Erlösung ist aber in Sicht: in Finnland soll es Lidls geben. Wir sind schon ganz aufgeregt!

Corona

Bereits in Polen nahm man das mit dem Mundschutz nicht mehr so genau. Im Baltikum bestand während unserer Reisezeit keine Maskenpflicht. Nur ganz vereinzelt in Supermärkten begegnet man mal jemandem mit einer Maske. Und je weiter wir nach Norden kommen, desto lockerer wird das genommen.
Was man allerdings in allen öffentlichen Einrichtungen und Supermärkten sieht, sind Schilder, die auf eine Abstandshaltung von einem Meter hinweisen. Und überall stehen Desinfektionsautomaten oder Flaschen für die Hände zur Verfügung. Diese werden auch in aller Selbstverständlichkeit intensiv genutzt, von jedem. In Deutschland beobachteten wir eher das Gegenteil: Mundschutztragen ist obligatorisch, bereitgestellte Desinfektionsmittel werden weitgehend ignoriert. Ob das ein Grund ist, dass es in Skandinavien weit weniger Coronafälle gibt? Hände desinfizieren und nochmals desinfizieren?


 

Im Baltikum wachsen die Bäume sogar auf Türmen...
Im Baltikum wachsen die Bäume sogar auf Türmen...

Ja, hier haben die Wikinger gehaust... Um ein Mitglied zu werden, müssen meine Muskeln wohl noch etwas wachsen.
Ja, hier haben die Wikinger gehaust... Um ein Mitglied zu werden, müssen meine Muskeln wohl noch etwas wachsen.


DATEN UND FAKTEN ÜBER DAS BALTIKUM: siehe >dieser Beitrag<.

 

Julie

Geschrieben von : Julie

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